Das Geheimnis der Myrte

Das Geheimnis der Myrte

Falkenstein Weinmacher

Das Geheimnis der Myrte

Der Industrielle Jose Entrecanales erfüllte sich auf seine alten Tage den Traum vom eigenen Weingut. Bevor er es so richtig genießen konnte, starb er. Seine Frau führte den Betrieb weiter.
Der Spanier Jose Maria Entrecanales war Präsident von Acciona, einem der bedeutendsten spanischen Konzerne mit Schwerpunkt Hoch- und Tiefbau, seit geraumer Zeit auch Wind- uns Solartechnik. Als er in den Ruhestand ging erfüllte er sich zwei Träume. Er kaufte sich ein Segelboot, das er „Arrayan“ nannte, zu Deutsch Myrte. Was ihn auf den ungewöhnlichen Namen brachte, blieb sein Geheimnis. Wahrscheinlich liebte er den Duft dieser Zweige.
Der zweite Traum war Wein. In dem kleine Ort Santa Cruz del Retamar nahe Toleda erstand er 1988 für wenig Geld ein verfallenes Weingut namens La Verdosa. Die marode Anlage ließ er mustergültig restaurieren. Ein Neubau hätte wohl nicht so viel gekostet. Er ließ die Böden dort untersuchen, die denen von Bordeaux ähnelten. Die Fachleute empfahlen, französische Sorten zu pflanzen. Der erste Jahrgang war der 2003er. Der Wein hieß wie das Boot „Arrayan“.
Fünf Jahre später starb Entrecanales. Seine Frau Maria Marsans übernahm die Leitung der Finca. Für Trauer blieb keine Zeit. Die hochgewachsene Frau stürzte sich in die Arbeit und schwamm sich frei.
Ein Glücksgriff war Maite Sanchez. Die 33- Jährige ist studierte Agraringenieurin. Erste Erfahrungen mit Wein machte sie als Praktikantin in Neuseeland und in Burgund. Sie bewarb sich bei La Verdosa und wurde genommen. Es war wohl Sympathie auf den ersten Blick. Inzwischen ist sie eine hervorragende Önologin.
Sie schätzt reinsortige Weine. „Ich will die Traube schmecken“, sagt sie. Doch beim Jahrgang 2011 hat sie eine Ausnahme gemacht. Ihr ist eine großartige Cuvee gelungen. Die Arrayan Sellecion duftet verführerisch nach dunklen Früchten und Milchschokolade. Die Frucht von Brombeeren hält lange nach. Holz ist nur zu ahnen. Zu Wildgerichten ist der Wein einfach perfekt.

Pit Falkenstein im Handelsblatt Nr. 11, 2015

Achtung Fehlerteufel: In der aktuellen Verkostung war der Jahrgang 2010!