Beliebte Unbekannte

Beliebte Unbekannte

anzeiger_klein

Kölner Stadtanzeiger und Frankfurter Rundschau Montag 25.03.2013

Beliebte Unbekannte
Die Grenache taugt meist nur zum Verschnitt, hier bringt sie komplexenWein


Die rote Grenache oder „Garnacha“, wie man sie in Spanien nennt, ist die am häufigsten angebaute Rotweinrebsorte der Welt, und doch ist sie vielen Weinkennern nicht sonderlich geläufig. Das liegt daran, dass ihr Name selten solo auf dem Etikett auftaucht. Sie bringt Weine mit heller Farbe hervor, die zwar saftig erdbeerig sind, aber auch wenig Tanningerüst und Säure haben und schnell oxidieren können. Grenache wird mit anderen Rebsorten verschnitten. Sie braucht warmes, trockenes Klima und ist wie gemacht für den Süden Frankreichs oder Spanien.
Um wirklich herausragende Weine aus ihr zu machen, muss man die Erntemengen reduzieren. Das passiert bei  der Winzergenossenschaft Capçanes in der unweit von Barcelona gelegenen sonnigen Region Montsant auf ganz natürlichem Weg. Denn die Rebstöcke haben hier ein ansehnliches Alter von über 70 Jahren und setzen von sich aus wenig Trauben an.
Die Winzer sind stolz auf das Alter der knorrigen, in Buschform erzogenen Grenache. Diese knorzigen Pflanzenwesen bringen hochkonzentrierte Trauben hervor. Aus ihnen werden dunkle Weine gekeltert, die mit ausreichend seidigem Tannin, komplexer Beeren- und Kirschfrucht, mit typischen Aromen nach getrockneten Kräutern und weißem Pfeffer ausgestattet sind, und die wie der Lasendal gut reifen können. „Diese Rebstöcke könnten viel erzählen“ sagt Jürgen Wagner, der Kellermeister aus Deutschland, der seit 1998 die Genossenschaft leitet. Er meint damit die Stürme der Zeit, angefangen beim Bürgerkrieg in den 1930er Jahren, über die Boomjahre bis hin zur aktuellen Wirtschaftskrise, die man überall spüren kann. Etwa an den selbst im kühlen Februar unbeheizten Bars und Restaurants. Wagner sieht trotz aller Schwierigkeiten auch etwas Positives in der Krise. „Die überteuerten Luxusweine und Auswüchse der Boomzeiten sind verschwunden, und es hat sich die Spreu vom Weizen getrennt.“ Die Genossenschaft Capçanes ist sich treugeblieben, hat immer geradlinige Topweine zu bodenständigen Preisen erzeugt. Sie hat wohl nichts zu befürchten.

Der Wein: 2010 Lasendal
Celler de Capçanes, Montsant